EIN BERICHT ÜBER DAS UNGEWÖHNLICHE PICA-SYNDROM – WOHL BEKOMM’S! + RAPUNZEL,RAPUNZEL SCHLUCK DEIN HAAR HERUNTER
CORPUS ANIMA MORBUS +
RATIO
ZAHL DER BETROFFENEN NICHT ABSCHÄTZBAR Das Krankheitsbild des Pica-Syndroms ist selbst unter
Ärzten teils unzureichend bekannt und wird dadurch häufig
übersehen. Trotzdem wird es medizinisch als Essstörung
wie eine Mager- oder Fresssucht eingestuft. Europäern ist
das Syndrom eher unbekannt, da es häufiger in armen
Regionen Indiens und Mittel- und Südamerika vorkommt.
Hierzulande werden solche Fälle oftmals nicht erkannt, weil
sie sich hinter anderen weitaus besser bekannten Diagno-
sen verbergen.
 Nicht zu verwechseln ist Pica allerdings mit intuitiv
bedingten Handlungen wie dem Gelüste Schwangerer nach
bestimmten Nährstoffen. Sie spüren einfach, dass ihnen
etwas fehlt. So wird bei Kalziummangel schon mal zum Gips
gegriffen um den Mangel auszugleichen. Solch eine Form
der Pica ist nicht krankhaft, sondern erklärt auch bestimmte Verhaltensweisen von Naturvölkern, die z. B. Lehm, Erde 
oder Kiesel essen, die durch ihre Mineralien und Spurenele-mente die Verdauung anregen oder Gifte binden können.
Aber auch in der Tierwelt ist dieses Phänomen zu beobach-ten. Bei Vitamin- und Enzymmangel kann es durchaus
vorkommen, dass Tiere instinktiv ihre eigenen Exkremen-
te fressen.
APPETITSTÖRUNGEN, PSYCHOSEN
ODER SCHLICHTE LANGEWEILE Weniger heilkundlich motiviert sind diejenigen, deren Ge-
lüste den Konsum von Kondomen, Insekten oder Kot bein-halten. Dieses Verhalten kann durchaus auf Psychosen
oder eine enorme Störung des Appetitzentrums hindeuten.
Als Auslöser für solche Vorlieben werden mitunter pure
Langeweile, Einsamkeit oder ein eintöniger Job aufgeführt.
 Allerdings muss es sich dabei nicht mal um Fremdstof-
fehandeln. Einige Pica-Erkrankte greifen auch zum eige-
nen Haupthaar, welches sie sich so lange auszupfen und he-
runterschlucken, bis schlussendlich keins mehr vorhanden
ist. Gerade bei nervösen oder gestressten Leuten dient dies
zur Entspannung, ähnlich wie bei verwandten Spleens wie
Daumenlutschen, Nasebohren oder Nägelkauen.
 Gefährlich daran ist jedoch, dass Haare nicht verdaut
werden können. In Härtefällen bilden sich im Verdauungs-trakt über eine lange Zeit hinweg Knäule, sogenannte
Bezoare, die zu einem Darmverschluss und sogar zum Tod
führen können. Aufgrund der Seltenheit solcher Vorkomm-
nisse werden Bezoare meist erst sehr spät diagnostiziert. SCHLEIMIGE HAARPRACHT
IM DARM Interessant ist die Geschichte eines 30-jährigen Disko-thekenbetreibers, der eine schwere Lebenskrise durchlebte
und letztendlich ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Er
klagte über Depressionen und schwere Oberbauchschmer-zen, die bei Depressiven jedoch nicht wirklich ungewöhn-
lich sind. Die Untersuchung des jungen Mannes brachte zu-dem keinen krankhaften Befund. Die Diagnose lautete
Depressionen. Seltsam war jedoch, dass seine Brustbehaa-rung immer lichter wurde, sich seine Haarwurzeln entzün-deten und das Haupthaar sichtlich spärlich wurde. Weitere Einen kleinen Snack für zwischendurch gefällig? Ziemlich
eigenwillig wird sowas von Menschen interpretiert, die
unter dem Pica-Syndrom leiden und in einem solchen Fall
beispielsweise ein halbes Pfund Stärke naschen. Was
die Art der Zwischenmahlzeiten angeht, ist der Fantasie
kaum Grenzen gesetzt.
 Benannt ist die relativ wenig bekannte Erkrankung nach
der diebischen Elster (pica pica), die sich alles unter den
Nagel reißt, um damit ihr eigenes Nest zu bauen. Über Jah-
re hinweg plagen sich Pica-Patienten mit enormen, ab
normalen Essgelüsten, die beispielsweise den Verzehr von
Asche, Austernschalen, Buntstiften, Seife, Holz, Kondo-
men, Staub, Stärke, Styropor, Zahnstochern, Zahnpasta,
sogar Kot und noch vieles mehr verursachen können –
in manchen Fällen tatsächlich mit tödlichem Ausgang. Untersuchungen ergaben schließlich, dass sich durch sei-
nen Magen und Darm ein meterlanger Zopf aus Haaren und
Speiseresten schlängelte, der sich wohl über Jahre gebil-
det hatte. Die eigentlich Ursache für die Bauchschmerzen,
das Völlegefühl, und die Verstopfung war hiermit gefun-
den. Die schleimige Haarpracht musste schlussendlich auf
operativem Wege entfernt werden. Aufsehen erregte die-
ser Fall zudem dadurch, dass die sogenannte Trichophagie
normalerweise eher bei Frauen diagnostiziert wird. Da 
sich gerade die langen Haare von Frauen schnell im Magen-
Darm-Trakt verhaken, wird diese bestimmte Form des
Pica-Syndroms auch als »Rapunzel-Syndrom« bezeichnet.
Wenn Erwachsene ständig das Von-der-Hand-in-den-
Mund-Verhalten mit allen möglichen Dingen durchführen,
dann kann daran eine zurückgebliebene Persönlich-keitsentwicklung schuld sein. Bei Kot-Kandidaten attes-
tieren Mediziner knapp eine »Perversion« LEBENSGEFÄHRLICHE
GESUNDHEITSSCHÄDEN Einige Vorlieben können allerdings schwere Folgen mit sich
bringen. So führt das Verspeisen von Zigaretten zu Niko-tinvergiftungen, das harmlos klingende Mampfen von Erde
und rohen Kartoffeln zu massiven Erkrankungen, die u. a.
durch Parasiten übertragen werden. Aber auch das Verspei-
sen von Farben, dass bei Kindern gar nicht mal so selten
vorkommt, kann zu einer Bleivergiftung führen. Das Verzeh-renmvon Streichhölzern oder ähnlichen spitzen Gegenstän-den kann sogar tödlich enden.
 Normalerweise werden in solchen Fällen psychotherapeu-tische Sitzungen erwogen. Besteht allerdings eine Gefahr
für das Laben des Patienten, muss für eine entsprechende
Beaufsichtigung bzw. Unterbringung gesorgt werden.
^ ^
EIN BERICHT ÜBER DAS UNGEWÖHNLICHE PICA-SYNDROM – WOHL BEKOMM’S! + RAPUNZEL,RAPUNZEL SCHLUCK DEIN HAAR HERUNTER
CORPUS
ANIMA
MORBUS
RATIO
+
APPETITSTÖRUNGEN, PSYCHOSEN
ODER SCHLICHTE LANGEWEILE Weniger heilkundlich motiviert sind diejenigen, deren Ge-
lüste den Konsum von Kondomen, Insekten oder Kot bein-halten. Dieses Verhalten kann durchaus auf Psychosen
oder eine enorme Störung des Appetitzentrums hindeuten.
Als Auslöser für solche Vorlieben werden mitunter pure
Langeweile, Einsamkeit oder ein eintöniger Job aufgeführt.
 Allerdings muss es sich dabei nicht mal um Fremdstof-
fehandeln. Einige Pica-Erkrankte greifen auch zum eige-
nen Haupthaar, welches sie sich so lange auszupfen und he-
runterschlucken, bis schlussendlich keins mehr vorhanden
ist. Gerade bei nervösen oder gestressten Leuten dient dies
zur Entspannung, ähnlich wie bei verwandten Spleens wie
Daumenlutschen, Nasebohren oder Nägelkauen.
 Gefährlich daran ist jedoch, dass Haare nicht verdaut
werden können. In Härtefällen bilden sich im Verdauungs-trakt über eine lange Zeit hinweg Knäule, sogenannte
Bezoare, die zu einem Darmverschluss und sogar zum Tod
führen können. Aufgrund der Seltenheit solcher Vorkomm-
nisse werden Bezoare meist erst sehr spät diagnostiziert. SCHLEIMIGE HAARPRACHT
IM DARM Interessant ist die Geschichte eines 30-jährigen Disko-thekenbetreibers, der eine schwere Lebenskrise durchlebte
und letztendlich ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Er
klagte über Depressionen und schwere Oberbauchschmer-zen, die bei Depressiven jedoch nicht wirklich ungewöhn-
lich sind. Die Untersuchung des jungen Mannes brachte zu-dem keinen krankhaften Befund. Die Diagnose lautete
Depressionen. Seltsam war jedoch, dass seine Brustbehaa-rung immer lichter wurde, sich seine Haarwurzeln entzün-deten und das Haupthaar sichtlich spärlich wurde. Weitere Einen kleinen Snack für zwischendurch gefällig? Ziemlich
eigenwillig wird sowas von Menschen interpretiert, die
unter dem Pica-Syndrom leiden und in einem solchen Fall
beispielsweise ein halbes Pfund Stärke naschen. Was
die Art der Zwischenmahlzeiten angeht, ist der Fantasie
kaum Grenzen gesetzt.
 Benannt ist die relativ wenig bekannte Erkrankung nach
der diebischen Elster (pica pica), die sich alles unter den
Nagel reißt, um damit ihr eigenes Nest zu bauen. Über Jah-
re hinweg plagen sich Pica-Patienten mit enormen, ab
normalen Essgelüsten, die beispielsweise den Verzehr von
Asche, Austernschalen, Buntstiften, Seife, Holz, Kondo-
men, Staub, Stärke, Styropor, Zahnstochern, Zahnpasta,
sogar Kot und noch vieles mehr verursachen können –
in manchen Fällen tatsächlich mit tödlichem Ausgang. ZAHL DER BETROFFENEN NICHT ABSCHÄTZBAR Das Krankheitsbild des Pica-Syndroms ist selbst unter
Ärzten teils unzureichend bekannt und wird dadurch häufig
übersehen. Trotzdem wird es medizinisch als Essstörung
wie eine Mager- oder Fresssucht eingestuft. Europäern ist
das Syndrom eher unbekannt, da es häufiger in armen
Regionen Indiens und Mittel- und Südamerika vorkommt.
Hierzulande werden solche Fälle oftmals nicht erkannt, weil
sie sich hinter anderen weitaus besser bekannten Diagno-
sen verbergen.
 Nicht zu verwechseln ist Pica allerdings mit intuitiv
bedingten Handlungen wie dem Gelüste Schwangerer nach
bestimmten Nährstoffen. Sie spüren einfach, dass ihnen
etwas fehlt. So wird bei Kalziummangel schon mal zum Gips
gegriffen um den Mangel auszugleichen. Solch eine Form
der Pica ist nicht krankhaft, sondern erklärt auch bestimmte Verhaltensweisen von Naturvölkern, die z. B. Lehm, Erde 
oder Kiesel essen, die durch ihre Mineralien und Spurenele-mente die Verdauung anregen oder Gifte binden können.
Aber auch in der Tierwelt ist dieses Phänomen zu beobach-ten. Bei Vitamin- und Enzymmangel kann es durchaus
vorkommen, dass Tiere instinktiv ihre eigenen Exkremen-
te fressen.
Untersuchungen ergaben schließlich, dass sich durch sei-
nen Magen und Darm ein meterlanger Zopf aus Haaren und
Speiseresten schlängelte, der sich wohl über Jahre gebil-
det hatte. Die eigentlich Ursache für die Bauchschmerzen,
das Völlegefühl, und die Verstopfung war hiermit gefun-
den. Die schleimige Haarpracht musste schlussendlich auf
operativem Wege entfernt werden. Aufsehen erregte die-
ser Fall zudem dadurch, dass die sogenannte Trichophagie
normalerweise eher bei Frauen diagnostiziert wird. Da 
sich gerade die langen Haare von Frauen schnell im Magen-
Darm-Trakt verhaken, wird diese bestimmte Form des
Pica-Syndroms auch als »Rapunzel-Syndrom« bezeichnet.
Wenn Erwachsene ständig das Von-der-Hand-in-den-
Mund-Verhalten mit allen möglichen Dingen durchführen,
dann kann daran eine zurückgebliebene Persönlich-keitsentwicklung schuld sein. Bei Kot-Kandidaten attes-
tieren Mediziner knapp eine »Perversion« LEBENSGEFÄHRLICHE
GESUNDHEITSSCHÄDEN Einige Vorlieben können allerdings schwere Folgen mit sich
bringen. So führt das Verspeisen von Zigaretten zu Niko-tinvergiftungen, das harmlos klingende Mampfen von Erde
und rohen Kartoffeln zu massiven Erkrankungen, die u. a.
durch Parasiten übertragen werden. Aber auch das Verspei-
sen von Farben, dass bei Kindern gar nicht mal so selten
vorkommt, kann zu einer Bleivergiftung führen. Das Verzeh-renmvon Streichhölzern oder ähnlichen spitzen Gegenstän-den kann sogar tödlich enden.
 Normalerweise werden in solchen Fällen psychotherapeu-tische Sitzungen erwogen. Besteht allerdings eine Gefahr
für das Laben des Patienten, muss für eine entsprechende
Beaufsichtigung bzw. Unterbringung gesorgt werden.