MAGERSUCHT WIRD ZUM MASSENPHÄNOMEN: JEDES DRITTE MÄDCHEN LEIDET HEUTE AN ESSSTÖRUNGEN + DAS STREBEN NACH DEM PERFEKT SEIN
CORPUS ANIMA MORBUS +
RATIO
Jeder muss essen. Jeden Tag, 365 im Jahr. Normalerweise ein natürli-
cher Vorgang aus Hunger und Sättigung. Unser Verhältnis zum Es-
senwird jedoch seit langem schon durch weitere Begriffe beschrieben:
Freude, Lust, Gier, Furcht, Scham, Angst, Verweigerung, Schuld.
 Das Essen dient uns also nicht mehr nur als Ernährung, Essen ist
auch Ausdruck unserer Seele. Denn ist die Seele krank, kann sich
dies durchaus durch ein gestörtes Essverhalten herauskristallisieren.
Aktuell kann man davon ausgehen, dass über eine Millionen Frau-
en und Mädchen in Deutschland unter einer Essstörung leiden. Da-
bei liegt die Altersspanne zwischen 12 und 35 Jahren.
 Der Begriff »Anorexia nervosa« wurde im Jahre 1684 zum ersten
Mal beschrieben, erhielt aber erst im Jahr 1870 eine eigene Diag-nosebezeichnung. Die Entstehung dieser neuartigen Krankheit war
nicht nur Auswirkung der neuen Betrachtungsweise der Medizin,
sondern auch Folge der Veränderungen innerhalb der Gesellschaft
und des neuen Ideals der jungen Frau.
 Anfang der 70’er begannen die US-Medien über die Magersucht
zu schreiben und 1974 berichteten die Medien erstmals von Frau-
en, die sich weigerten zu essen, ohne jedoch wirklich die Ernsthaftig-
keit der Krankheit zu verdeutlichen. Erst während der 80’er wurde
eine große Menge an Büchern über die Anorexia nervosa und deren
verwandte Erkrankung Bulimia nervosa (Bulimie) veröffentlicht.
Heutzutage gibt es unzählige Kliniken weltweit mit spezialisierten
Psychologen und Psychiatern, die sich der Erforschung und
Bekämpfung dieser Krankheiten widmen.
^ ^
Ob » Ab Crack «, » Bikini Bridge «, » Thigh Gap « oder » Collarbone Challenge « … Diese Begriffe sind keineswegs spezielle Sportapplika-tionen oder Begriffe aus dem Tennissport. Sie bezeichnen ver-meintliche Schönheitsideale, die immer wieder die Sozialen Netzwer-ke fluten und junge Frauen dazu motivieren sich abzumagern. Oft posten die Mädchen ihre vermeintlichen Erfolge auf Portalen wie In-stagram und ernten dort den erwünschten Zuspruch. Was viele dabei nicht begreifen ist, dass selbst die strikteste Diät und das straffste Sportprogramm oftmals vergebens sind, um die gewünschte » Traum-figur « zu erlangen. Oftmals stehen einem schlichtweg die ei-genen Gene oder, wie beispielsweise im Falle der » Thigh Gap «, leichte X-Beine im Weg. 
 Bei diesem äußerst angesagten Trend wird eine Lücke zwischen den Oberschenkeln angestrebt, während Knöchel an Knöchel und Knie an Knie stehen. Das ist allerdings nicht durch Muskelaufbau zu er-reichen, sondern setzt zu allererst schlanke Oberschenkel voraus. 
Um die » Thigh Gap « zu erlangen müssen Fettreserven verbrannt und die Muskulatur ein bisschen abgebaut werden. Ähnlich wie man es
bei Extrem-Läuferinnen oft sieht. Jedoch hängt die Existenz einer sol-chen Lücke immer auch mit der Stellung der Beine zusammen. 
Frauen mit einer sehr ausgestellten Hüfte können beispielsweise auch bei Normalgewicht eine solche Lücke haben. Wer dagegen leichte 
X-Beine hat, kann dagegen noch so viel trainieren und wird die gewün-schte Beinform nicht erreichen. 
 Ein weiteres skurriles Instagramphänomen ist die sogenannte » 
Ab Crack «. Als solche wird eine senkrechte Spalte von Brustbein bis zum Bauchnabel bezeichnet. Das Model Emily Ratajkowski setzte diesen Trend in Gang, nachdem sie ein Foto im Bikini auf Instagram hochlud. Seither sind zahlreiche Mädchen und Frauen verrückt danach. Der kleine Haken an der Sache ist nur, dass die Ab Crack erst bei Frauen mir einem Körperfettanteil von maximal 12 Prozent sichtbar wird. Bei schlanken Frauen liegt der Fettanteil allerdings bei 18 – 20 Prozent. Und dabei hat grade die Bauchpartie ein beson-
ders starkes Unterhautfettgewebe. Deshalb muss Frau sich für den Trend nicht nur stark abmagern, sondern zusätzlich die Bauch-muskulatur enorm trainieren. Aber auch in diesem Fall spielen die Ge-ne eine enorm wichtige Rolle. Manche Menschen können sich tat-sächlich ewig bemühen und hungern, ohne dass die Spalte sichtbar würde. 
 Am ungefährlichsten mag wohl der Hype um die » Bikini Bridge « erscheinen. Hierbei soll die Bikinihose im Liegen auf den Hüftknochen aufliegen und dazwischen keine Haut berühren. Auch bei diesem Trend muss zwar die Bauchmuskulatur trainiert und Fett am Bauch verbrannt werden, allerdings geht das auch mit einem gesunden Sport- und Essverhalten. 
 Im Gegensatz dazu steht die sogenannte » Collarbone Challenge «. Wie der Name schon vermuten lässt, steht das Schlüsselbein im 
Fokus dieses Trends. Mädchen legen sich in diesem Fall Münzen in die Kuhle oberhalb ihrer herausragenden Schlüsselbeinknochen und fotografieren ihren Erfolg. Das geschieht natürlich ganz getreu dem Motto: » Umso mehr Münzen, desto bester! « Gefährlich ist der Trend genau deswegen, weil er nicht durch Sport sondern ausschließlich durch Hungern umsetzbar ist. Zwar gibt es Menschen, die von Natur aus auffällige Schlüsselbeinknochen haben, ist man jedoch nicht
mit einem solchen Körperbau gesegnet, hilft nur das Verzichten auf Nahrung.
 Nun kann man sagen: » Schön, sollen die Leute doch machen und hochladen worauf sie Lust haben. Geschmäcker sind nun mal un-terschiedlich. « Damit hat man natürlich nicht unrecht, aber was alle vier Trends oder Challenges gemeinsam haben ist die Verbreitung eines verzerrten und unrealistischen Körperideals der Frau. Mädchen wird bereits in jungen Jahren vermittelt, dass sie gefälligst dünn, 
nein sogar mager zu sein haben. Alles andere ist peinlich und undis-zipliniert. Im Vergleich zu früher ist seit dem Aufkommen von so-
zialen Netzwerken wie Instagram der Wirbel um das Schönheitsideal mehr in den Fokus der Gesellschaft gerückt. Junge Frauen wollen möglichst schlank sein, gleichzeitig aber auch trainiert und definiert muskulös, um etwa die besagte Ab-Crack zu erhalten. Das ebnet ihnen den Weg in die Anorexie oder Bulimie. Zwar hängt eine Magersucht immer auch ein Stück weit mit seelischen Problemen zusammen, aber die Kombination aus extremer Diät und exzessivem Sporttreiben 
wirkt oft als Einstiegsdroge.
 Besonders tragisch ist es, wenn das Ganze nicht mehr nur als Schönheitsideal gilt, sondern die Erkrankung regelrecht glorifiziert wird. Das geschieht beispielsweise in den sogenannten » Pro-Ana « oder » Pro-Mia «-Bewegungen. Unter diesen Decknamen tum-
meln sich im Netz Anorexia- und Bulimie-Erkrankte, um die Krankheit zu verherrlichen. Dort beraten sich die Mitglieder untereinander: 
Was erzähle ich zu Hause, damit die Magersucht nicht auffällt? Welche Medikamente wirken abführend? Wie verberge ich meine aufgeris-senen Lippen vom Erbrechen? Es werden dort sogar » Zwillinge « ver-mittelt: Man sucht sich eine Gleichgesinnte mit den gleichen (Ge-wichts-) Zielen, um sich gegenseitig zu motivieren. Wir schaffen das zusammen! Um unter sich zu bleiben verlagern sich diese Gemein-schaften vermehrt auf Soziale Netzwerke mit geschlossenen Gruppen, wie es sie beispielsweise bei WhatsApp gibt. Wer beitritt darf 
natürlich niemanden über seine Krankheit informieren, da es in den Augen der Mädchen nunmal keine Krankheit ist. Diese Gruppen haben einen regelrechten Sektencharakter und sind für junge Men-schen sehr gefährlich.
 IMMER MEHR, IMMER JÜNGER Das Thema Magersucht ist beinahe salonfähig, doch es sei gesagt: Sie ist die gefährlichste psychoso-matische Erkrankung junger Menschen überhaupt, 
die schwere Langzeitschäden für die Seele und auch den Körper zur Folge hat. Zwar wird die Krankheit 
laut Studien in 50 bis 75 Prozent der Fälle geheilt, al-lerdings dauert der Heilungsprozess über viele Jahre an. Und auch dann besteht immer noch eine hohes Ri-siko rückfällig zu werden. Die Entwicklung ist jeden-falls Besorgnis erregend. Es werden nicht nur mehr Ma-gersüchtige registriert, die Betroffenen werden dazu immer jünger, sodass bereits im Alter zwischen elf und 17 Jahren jedes dritte Mädchen eine Essstörung hat.
 Obwohl diese Erkrankung meist mit dem weiblichen Geschlecht in Verbindung gebracht wird, gibt es auch Jungs und Männer die darunter leiden. Demnach kommt in Deutschland ein magersüchtiger Junge auf zehn magersüchtige Mädchen. Im Alter von elf Jah-
ren ist der Anteil bei beiden Geschlechtern zwar noch gleich hoch, im Alter von 17 Jahren ist der der Mäd-chen allerdings schon um das dreifache höher. Warum tut man seinem Körper so etwas an? Wieso hungert man sich auf Haut und Knochen - wider der Natur, wi-der jeder Vernunft?
 Dahinter steht natürlich immer eine ganz eigene, persönliche Geschichte mit verschiedenen Auslösern. Da die Veranlagung für Essstörungen erblich bedingt sein kann, spielen Gene hier auch eine Rolle. Wenn zum Beispiel die Mutter Probleme mit Essstörungen hatte, sind auch bei den Töchtern oftmals Probleme im Bezug auf das Essverhalten festzustellen. Dann ist da noch die Pubertät als vulnerable Umbruchphase, in 
der die jungen Menschen die Veränderungen des eige-
nen Körpers erleben und sich erste körperliche Run-dungen abzeichnen. Es paart sich Unsicherheit mit einem verminderten Selbstwertgefühl, dem dauerhaf-ten Empfinden der eigenen Fehlerhaftigkeit und 
Leistungsdruck. Vielleicht ist aber auch eine Depres-sion, der Tod eines Elternteils, das Ende einer Bezie-hung oder einfach nur ein Umzug der Auslöser.
 HEIDIS MAGERMODELS Zu Beginn dieses Jahres brachte zudem das Internationale Zentral-institut für Jugend- und Bildungsfernsehen und das ANAD e. V. Versorgungszentrum für Essstörungen in München eine Studie heraus, in der ein bedeutsamer und damit nicht zufälliger Zusammenhang zwischen dem Glauben, zu dick zu sein, und dem Verfolgen der Fern-seh-Show Germany’s Next Topmodel von Heidi Klum. Besonders dessen treue Zuschauerinnen im Alter zwischen 12 bis 19 Jahren füh-len sich häufig zu dick. Über die Jahre hinweg betrifft das Millionen 
von Mädchen, da die Sendung in der Zielgruppe der 12- bis 22 Jähri-gen einen Marktanteil von bis zu 40 Prozent erreicht. Wer also 
Heidi Klum und ihren angehenden Models aufmerksam folgt, ist nach-weislich unzufriedener mit seinem Körper. Leider fehlt vielen Mäd-chen eine gesunde Distanz zu dem, was in der Show passiert. Schaut man sich Heidi und ihre Gefolgschaft regelmäßig an, dann kann 
einem der eigene Körper nur defizitär erscheinen. Die Wertschätzung für einen normalen, nicht gerade durchtrainierten, aber dafür gesun-den Körper geht dabei völlig über Bord. Dabei hat nur eine von 40.000 Frauen die körperlichen Maße eines Models. Alle anderen hungern oder trainieren, allerdings meist ohne eine realistische Chance auf den für sie » perfekten « Körper. DIE FOLGEN VON MAGERSUCHT Bei Magersüchtigen dreht sich tagein tagaus alles um Zahlen, Kalo-rien, Gewicht. Der ganze Tagesablauf wird darauf ausgerichtet. Trifft man sich mit Freunden zum Kochen, sagt man halt man habe zu-
vor schon gegessen. Oder man meidet die Gesellschaft anderer gänz-lich. Isolation ist etwas was bei Essgestörten in einem fortgeschrit-tenen Stadium sehr häufig vorkommt. Ununterbrochen beschäftigt sich der Kopf damit, was gegessen wird und wie viel Sport man 
treiben muss, um Konsumiertes wieder auszugleichen. Diese Spirale der Besessenheit kann in Extremfällen dazu führen, dass die Orga-
ne beschädigt werden, die Nieren versagen, sich der oder die Betrof-fene kaum noch auf den Beinen halten kann und die Energie nur 
noch dafür reicht sich mit dem Nicht-Essen zu beschäftigen. In sol-
chen Fällen, wiegt ein Mädchen beispielsweise bei einer Körper-
größe von 1,76 Metern nur noch ausgezehrte 36 Kilogramm. Davon stirbt jede Zehnte.
MAGERSUCHT WIRD ZUM MASSENPHÄNOMEN: JEDES DRITTE MÄDCHEN LEIDET HEUTE AN ESSSTÖRUNGEN + DAS STREBEN NACH DEM PERFEKT SEIN
CORPUS
ANIMA
MORBUS
RATIO
+
Jeder muss essen. Jeden Tag, 365 im Jahr. Normalerweise ein natürli-
cher Vorgang aus Hunger und Sättigung. Unser Verhältnis zum Es-
senwird jedoch seit langem schon durch weitere Begriffe beschrieben:
Freude, Lust, Gier, Furcht, Scham, Angst, Verweigerung, Schuld.
 Das Essen dient uns also nicht mehr nur als Ernährung, Essen ist
auch Ausdruck unserer Seele. Denn ist die Seele krank, kann sich
dies durchaus durch ein gestörtes Essverhalten herauskristallisieren.
Aktuell kann man davon ausgehen, dass über eine Millionen Frau-
en und Mädchen in Deutschland unter einer Essstörung leiden. Da-
bei liegt die Altersspanne zwischen 12 und 35 Jahren.
 Der Begriff »Anorexia nervosa« wurde im Jahre 1684 zum ersten
Mal beschrieben, erhielt aber erst im Jahr 1870 eine eigene Diag-nosebezeichnung. Die Entstehung dieser neuartigen Krankheit war
nicht nur Auswirkung der neuen Betrachtungsweise der Medizin,
sondern auch Folge der Veränderungen innerhalb der Gesellschaft
und des neuen Ideals der jungen Frau.
 Anfang der 70’er begannen die US-Medien über die Magersucht
zu schreiben und 1974 berichteten die Medien erstmals von Frau-
en, die sich weigerten zu essen, ohne jedoch wirklich die Ernsthaftig-
keit der Krankheit zu verdeutlichen. Erst während der 80’er wurde
eine große Menge an Büchern über die Anorexia nervosa und deren
verwandte Erkrankung Bulimia nervosa (Bulimie) veröffentlicht.
Heutzutage gibt es unzählige Kliniken weltweit mit spezialisierten
Psychologen und Psychiatern, die sich der Erforschung und
Bekämpfung dieser Krankheiten widmen.
Ob » Ab Crack «, » Bikini Bridge «, » Thigh Gap « oder » Collarbone Challenge « … Diese Begriffe sind keineswegs spezielle Sportapplika-tionen oder Begriffe aus dem Tennissport. Sie bezeichnen ver-meintliche Schönheitsideale, die immer wieder die Sozialen Netzwer-ke fluten und junge Frauen dazu motivieren sich abzumagern. Oft posten die Mädchen ihre vermeintlichen Erfolge auf Portalen wie In-stagram und ernten dort den erwünschten Zuspruch. Was viele dabei nicht begreifen ist, dass selbst die strikteste Diät und das straffste Sportprogramm oftmals vergebens sind, um die gewünschte » Traum-figur « zu erlangen. Oftmals stehen einem schlichtweg die ei-genen Gene oder, wie beispielsweise im Falle der » Thigh Gap «, leichte X-Beine im Weg. 
 Bei diesem äußerst angesagten Trend wird eine Lücke zwischen den Oberschenkeln angestrebt, während Knöchel an Knöchel und Knie an Knie stehen. Das ist allerdings nicht durch Muskelaufbau zu er-reichen, sondern setzt zu allererst schlanke Oberschenkel voraus. 
Um die » Thigh Gap « zu erlangen müssen Fettreserven verbrannt und die Muskulatur ein bisschen abgebaut werden. Ähnlich wie man es
bei Extrem-Läuferinnen oft sieht. Jedoch hängt die Existenz einer sol-chen Lücke immer auch mit der Stellung der Beine zusammen. 
Frauen mit einer sehr ausgestellten Hüfte können beispielsweise auch bei Normalgewicht eine solche Lücke haben. Wer dagegen leichte 
X-Beine hat, kann dagegen noch so viel trainieren und wird die gewün-schte Beinform nicht erreichen. 
 Ein weiteres skurriles Instagramphänomen ist die sogenannte » 
Ab Crack «. Als solche wird eine senkrechte Spalte von Brustbein bis zum Bauchnabel bezeichnet. Das Model Emily Ratajkowski setzte diesen Trend in Gang, nachdem sie ein Foto im Bikini auf Instagram hochlud. Seither sind zahlreiche Mädchen und Frauen verrückt danach. Der kleine Haken an der Sache ist nur, dass die Ab Crack erst bei Frauen mir einem Körperfettanteil von maximal 12 Prozent sichtbar wird. Bei schlanken Frauen liegt der Fettanteil allerdings bei 18 – 20 Prozent. Und dabei hat grade die Bauchpartie ein beson-
ders starkes Unterhautfettgewebe. Deshalb muss Frau sich für den Trend nicht nur stark abmagern, sondern zusätzlich die Bauch-muskulatur enorm trainieren. Aber auch in diesem Fall spielen die Ge-ne eine enorm wichtige Rolle. Manche Menschen können sich tat-sächlich ewig bemühen und hungern, ohne dass die Spalte sichtbar würde. 
 Am ungefährlichsten mag wohl der Hype um die » Bikini Bridge « erscheinen. Hierbei soll die Bikinihose im Liegen auf den Hüftknochen aufliegen und dazwischen keine Haut berühren. Auch bei diesem Trend muss zwar die Bauchmuskulatur trainiert und Fett am Bauch verbrannt werden, allerdings geht das auch mit einem gesunden Sport- und Essverhalten. 
 Im Gegensatz dazu steht die sogenannte » Collarbone Challenge «. Wie der Name schon vermuten lässt, steht das Schlüsselbein im 
Fokus dieses Trends. Mädchen legen sich in diesem Fall Münzen in die Kuhle oberhalb ihrer herausragenden Schlüsselbeinknochen und fotografieren ihren Erfolg. Das geschieht natürlich ganz getreu dem Motto: » Umso mehr Münzen, desto bester! « Gefährlich ist der Trend genau deswegen, weil er nicht durch Sport sondern ausschließlich durch Hungern umsetzbar ist. Zwar gibt es Menschen, die von Natur aus auffällige Schlüsselbeinknochen haben, ist man jedoch nicht
mit einem solchen Körperbau gesegnet, hilft nur das Verzichten auf Nahrung.
 Nun kann man sagen: » Schön, sollen die Leute doch machen und hochladen worauf sie Lust haben. Geschmäcker sind nun mal un-terschiedlich. « Damit hat man natürlich nicht unrecht, aber was alle vier Trends oder Challenges gemeinsam haben ist die Verbreitung eines verzerrten und unrealistischen Körperideals der Frau. Mädchen wird bereits in jungen Jahren vermittelt, dass sie gefälligst dünn, 
nein sogar mager zu sein haben. Alles andere ist peinlich und undis-zipliniert. Im Vergleich zu früher ist seit dem Aufkommen von so-
zialen Netzwerken wie Instagram der Wirbel um das Schönheitsideal mehr in den Fokus der Gesellschaft gerückt. Junge Frauen wollen möglichst schlank sein, gleichzeitig aber auch trainiert und definiert muskulös, um etwa die besagte Ab-Crack zu erhalten. Das ebnet ihnen den Weg in die Anorexie oder Bulimie. Zwar hängt eine Magersucht immer auch ein Stück weit mit seelischen Problemen zusammen, aber die Kombination aus extremer Diät und exzessivem Sporttreiben 
wirkt oft als Einstiegsdroge.
 Besonders tragisch ist es, wenn das Ganze nicht mehr nur als Schönheitsideal gilt, sondern die Erkrankung regelrecht glorifiziert wird. Das geschieht beispielsweise in den sogenannten » Pro-Ana « oder » Pro-Mia «-Bewegungen. Unter diesen Decknamen tum-
meln sich im Netz Anorexia- und Bulimie-Erkrankte, um die Krankheit zu verherrlichen. Dort beraten sich die Mitglieder untereinander: 
Was erzähle ich zu Hause, damit die Magersucht nicht auffällt? Welche Medikamente wirken abführend? Wie verberge ich meine aufgeris-senen Lippen vom Erbrechen? Es werden dort sogar » Zwillinge « ver-mittelt: Man sucht sich eine Gleichgesinnte mit den gleichen (Ge-wichts-) Zielen, um sich gegenseitig zu motivieren. Wir schaffen das zusammen! Um unter sich zu bleiben verlagern sich diese Gemein-schaften vermehrt auf Soziale Netzwerke mit geschlossenen Gruppen, wie es sie beispielsweise bei WhatsApp gibt. Wer beitritt darf 
natürlich niemanden über seine Krankheit informieren, da es in den Augen der Mädchen nunmal keine Krankheit ist. Diese Gruppen haben einen regelrechten Sektencharakter und sind für junge Men-schen sehr gefährlich.
 IMMER MEHR, IMMER JÜNGER Das Thema Magersucht ist beinahe salonfähig, doch es sei gesagt: Sie ist die gefährlichste psychoso-matische Erkrankung junger Menschen überhaupt, 
die schwere Langzeitschäden für die Seele und auch den Körper zur Folge hat. Zwar wird die Krankheit 
laut Studien in 50 bis 75 Prozent der Fälle geheilt, al-lerdings dauert der Heilungsprozess über viele Jahre an. Und auch dann besteht immer noch eine hohes Ri-siko rückfällig zu werden. Die Entwicklung ist jeden-falls Besorgnis erregend. Es werden nicht nur mehr Ma-gersüchtige registriert, die Betroffenen werden dazu immer jünger, sodass bereits im Alter zwischen elf und 17 Jahren jedes dritte Mädchen eine Essstörung hat.
 Obwohl diese Erkrankung meist mit dem weiblichen Geschlecht in Verbindung gebracht wird, gibt es auch Jungs und Männer die darunter leiden. Demnach kommt in Deutschland ein magersüchtiger Junge auf zehn magersüchtige Mädchen. Im Alter von elf Jah-
ren ist der Anteil bei beiden Geschlechtern zwar noch gleich hoch, im Alter von 17 Jahren ist der der Mäd-chen allerdings schon um das dreifache höher. Warum tut man seinem Körper so etwas an? Wieso hungert man sich auf Haut und Knochen - wider der Natur, wi-der jeder Vernunft?
 Dahinter steht natürlich immer eine ganz eigene, persönliche Geschichte mit verschiedenen Auslösern. Da die Veranlagung für Essstörungen erblich bedingt sein kann, spielen Gene hier auch eine Rolle. Wenn zum Beispiel die Mutter Probleme mit Essstörungen hatte, sind auch bei den Töchtern oftmals Probleme im Bezug auf das Essverhalten festzustellen. Dann ist da noch die Pubertät als vulnerable Umbruchphase, in 
der die jungen Menschen die Veränderungen des eige-
nen Körpers erleben und sich erste körperliche Run-dungen abzeichnen. Es paart sich Unsicherheit mit einem verminderten Selbstwertgefühl, dem dauerhaf-ten Empfinden der eigenen Fehlerhaftigkeit und 
Leistungsdruck. Vielleicht ist aber auch eine Depres-sion, der Tod eines Elternteils, das Ende einer Bezie-hung oder einfach nur ein Umzug der Auslöser.
 HEIDIS MAGERMODELS Zu Beginn dieses Jahres brachte zudem das Internationale Zentral-institut für Jugend- und Bildungsfernsehen und das ANAD e. V. Versorgungszentrum für Essstörungen in München eine Studie heraus, in der ein bedeutsamer und damit nicht zufälliger Zusammenhang zwischen dem Glauben, zu dick zu sein, und dem Verfolgen der Fern-seh-Show Germany’s Next Topmodel von Heidi Klum. Besonders dessen treue Zuschauerinnen im Alter zwischen 12 bis 19 Jahren füh-len sich häufig zu dick. Über die Jahre hinweg betrifft das Millionen 
von Mädchen, da die Sendung in der Zielgruppe der 12- bis 22 Jähri-gen einen Marktanteil von bis zu 40 Prozent erreicht. Wer also 
Heidi Klum und ihren angehenden Models aufmerksam folgt, ist nach-weislich unzufriedener mit seinem Körper. Leider fehlt vielen Mäd-chen eine gesunde Distanz zu dem, was in der Show passiert. Schaut man sich Heidi und ihre Gefolgschaft regelmäßig an, dann kann 
einem der eigene Körper nur defizitär erscheinen. Die Wertschätzung für einen normalen, nicht gerade durchtrainierten, aber dafür gesun-den Körper geht dabei völlig über Bord. Dabei hat nur eine von 40.000 Frauen die körperlichen Maße eines Models. Alle anderen hungern oder trainieren, allerdings meist ohne eine realistische Chance auf den für sie » perfekten « Körper. DIE FOLGEN VON MAGERSUCHT Bei Magersüchtigen dreht sich tagein tagaus alles um Zahlen, Kalo-rien, Gewicht. Der ganze Tagesablauf wird darauf ausgerichtet. Trifft man sich mit Freunden zum Kochen, sagt man halt man habe zu-
vor schon gegessen. Oder man meidet die Gesellschaft anderer gänz-lich. Isolation ist etwas was bei Essgestörten in einem fortgeschrit-tenen Stadium sehr häufig vorkommt. Ununterbrochen beschäftigt sich der Kopf damit, was gegessen wird und wie viel Sport man 
treiben muss, um Konsumiertes wieder auszugleichen. Diese Spirale der Besessenheit kann in Extremfällen dazu führen, dass die Orga-
ne beschädigt werden, die Nieren versagen, sich der oder die Betrof-fene kaum noch auf den Beinen halten kann und die Energie nur 
noch dafür reicht sich mit dem Nicht-Essen zu beschäftigen. In sol-
chen Fällen, wiegt ein Mädchen beispielsweise bei einer Körper-
größe von 1,76 Metern nur noch ausgezehrte 36 Kilogramm. Davon stirbt jede Zehnte.