- GRÜNDER DER US-KONZERNS NIKE - + DIE AUTOBIOGRAPFIE DES MULTIMILLIONÄRS PHIL KNIGHT
Laufe ich heute durch die Stadt Oregon, so huscht mir
ein Lächeln über mein Gesicht, wenn ich den Nike-
Swoosh an den Füßen der Menschen entdecke. Auch an
Taschen und Kleidung – die Faszination über diese
Marke, über meine Marke, endet nicht. Grinsend laufe
ich über die Straße, rüber zur Laufbahn der Univer-
sität Oregon und schwelge in meinen Gedanken. Ein
Flashback versetzt mich zurück in die gute alte
Studentenzeit, in der ich mit Bill Tag für Tag auf den
Sportanlagen trainierte. Diese anstrengenden
Läufe werden mir wohl immer in Erinnerung bleiben. DIE HEIMLICHE ZUKUNFTSVISION AUS GRIECHENLAND Nach einem erfolgreichen Abschluss an der University
of Oregon in Wirtschaftswissenschaften und einem
Master an der Stanford University hatte ich genug vom
Lernen. Mit einem erbettelten Darlehen meines
Vaters und guter Überzeugungsarbeit an meinem bes-
ten Kumpel mich zu begleiten, machten wir uns auf
Weltreise. In Hawaii verließ mich mein Freund dann für  seine große Liebe, so dass ich mich letztlich alleine nach
Japan aufmachte. Ich hatte Größeres vor, wollte mich
weiter mit der Sportartikelindustrie auseinandersetzen,
wie ich es bereits im Master getan hatte. Ich war jung,
naiv und hatte Ambitionen.
 In Japan angekommen, fragte ich mich durch, bis ich
zur mir empfohlenen Schuhfabrik Onitsuka Tiger –
heute bekannt als Asics – gelangte. Mit ihnen wollte ich
einen Deal aushandeln und ihre Laufschuhe in den
USA verkaufen. Onitsuka Tiger reagierte überraschend
positiv, sodass ich auf ihre Fragen schnell kreativ
werden musste. Meine imaginäre Firma nannte ich ganz
spontan Blue Ribbon – inspiriert von einer blauen
Schleife, die in meinem Zimmer hing. Mit diesem ersten
Erfolg im Rücken, reiste ich weiter über die Philippi-
nen nach Indien, wo ich mir die schlimmste Lebensmit-telvergiftung meines Lebens zuzog, zu den Pyrami-
den in Ägypten, nach Griechenland, wo ich beim Tempel
der Göttin Nike unwissentlich die Zukunft vorhersah
und schließlich in die so beliebten, europäischen Metro-
polen Rom, Mailand, Paris und London. BLUE RIBBON – THE EMPIRE Inspiriert von den berauschenden Abenteuern, die ich
in der Welt so erlebt hatte, kehrte ich nach Oregon
zurück. Ich erhielt die ersten Lieferungen aus Japan, die
zunächst aus dem Kofferraum meines Plymouth
Valiant verkauft wurden. Mit einer Investition meines
Vaters über 50 Dollar startete ich meinen Traum ein
Statement gegen die ganz Großen zu setzen. Dabei hatte
ich die beiden deutschen Sportindustriegiganten
Puma und Adidas aus Herzogenaurach im Visier. Mein
größtes Problem bestand jedoch aus dem nie endenden
Kampf mit den Banken. Immer wieder hatte ich das
Gefühl Blue Ribbon stehe kurz vor dem Abgrund, denn
es schien beinahe unmöglich die Balance zwischen
verlässlichen und ausreichenden Lieferungen mit recht-zeitigenZahlungen an die Banken und an Onitsuka
zu finden. Doch als Überlebenskünstler schaffte ich es
irgendwie immer meinen Kopf aus der Schlinge zu
ziehen und erzielte so im Jahr 1963 tatsächlich ein Um-
satz von 8.000 Dollar. Es war ein ewiges hin und
her – doch mir schien als wäre das Interesse vorhanden,
denn meine Schuhe kamen gut an, und so konnte ich
meine Firma über die Jahre expandieren. BACKEN MIT BILL Schließlich holte ich mir auch meinen ehemaligen Trainer Bill Bowerman mit ins Boot. Er war der Mann hinter den Kulissen – der geniale Entwickler im Hintergrund. Ihm habt ihr es zu verdanken, dass ihr in den Nike Free wie auf Federn geht. Dieser ver-
rückte Lauffanatiker brachte es doch tatsächlich so-
weit flüssigen Kunststoff in ein Waffeleisen zu gießen, woraus er letztlich die Schuhsohle zauberte. Und während dem Bowerman eine verrückte Idee nach der anderen kam, hatte ich mit zahlreichen Problemen zu kämpfen. Die Banken brachten mir aufgrund des rasanten Aufstiegs zu wenig Vertrauen gegenüber und Onitsuka verhandelte laufend mit anderen Händlern, die Büroräume wurden nahezu wöchentlich zu klein für das wachsende Laufschuhimperium, und meistens war ich sowohl mit den Lieferungen als auch mit den Zahlungen im Rückstand. Obwohl ich mich jahrelang weigerte mein Unterneh-
men der Börse zum Fraß vorzuwerfen, schien es mir eines Tages der letzte Ausweg zu sein meine Firma fortzuführen und den so rasanten Anstieg weiterhin zu garantieren. Als letztlich auch die Vertriebspartner-
schaft mit Onitsuka in die Brüche ging, zog ich mich mit meinem Team zurück und wir entschieden uns für den großen Schritt. Wir nutzten diese Situation für eine Umstrukturierung, sodass in einer Nacht- und Nebel- aktion im Jahr 1971 Nike entstand. Kurz darauf wurde der berühmte Swoosh – für »satte« 35 Dollar entwickelt.
PHIL KNIGHT
AM TISCH MIT BILL GATES UND WARREN BUFFETT Heute weiß ich, dass ich es geschafft habe. Meine Vision mit den Sportgiganten Adidas und Puma zu konkur-
rieren ist wahr geworden. Man nennt mich einen der erfolgreichsten Unternehmer, den diese Welt je ge-
kannt hat. Und ich muss mir doch eingestehen: Geld ist nicht alles. Die Opfer, die ich für meinen Erfolg gebracht habe, waren groß und einige davon würde ich heute nicht mehr erbringen. Meine Prioritäten würden variie- ren, aber für meine Vision würde ich immer wieder kämpfen und alles geben, denn das war mein Traum.
^ ^
CORPUS ANIMA MORBUS RATIO +
- GRÜNDER DER US-KONZERNS NIKE - + DIE AUTOBIOGRAPFIE DES MULTIMILLIONÄRS PHIL KNIGHT
CORPUS
ANIMA
MORBUS
RATIO
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Laufe ich heute durch die Stadt Oregon, so huscht mir
ein Lächeln über mein Gesicht, wenn ich den Nike-
Swoosh an den Füßen der Menschen entdecke. Auch an
Taschen und Kleidung – die Faszination über diese
Marke, über meine Marke, endet nicht. Grinsend laufe
ich über die Straße, rüber zur Laufbahn der Univer-
sität Oregon und schwelge in meinen Gedanken. Ein
Flashback versetzt mich zurück in die gute alte
Studentenzeit, in der ich mit Bill Tag für Tag auf den
Sportanlagen trainierte. Diese anstrengenden
Läufe werden mir wohl immer in Erinnerung bleiben. DIE HEIMLICHE ZUKUNFTSVISION AUS GRIECHENLAND Nach einem erfolgreichen Abschluss an der University
of Oregon in Wirtschaftswissenschaften und einem
Master an der Stanford University hatte ich genug vom
Lernen. Mit einem erbettelten Darlehen meines
Vaters und guter Überzeugungsarbeit an meinem bes-
ten Kumpel mich zu begleiten, machten wir uns auf
Weltreise. In Hawaii verließ mich mein Freund dann für
PHIL KNIGHT
 seine große Liebe, so dass ich mich letztlich alleine nach
Japan aufmachte. Ich hatte Größeres vor, wollte mich
weiter mit der Sportartikelindustrie auseinandersetzen,
wie ich es bereits im Master getan hatte. Ich war jung,
naiv und hatte Ambitionen.
 In Japan angekommen, fragte ich mich durch, bis ich
zur mir empfohlenen Schuhfabrik Onitsuka Tiger –
heute bekannt als Asics – gelangte. Mit ihnen wollte ich
einen Deal aushandeln und ihre Laufschuhe in den
USA verkaufen. Onitsuka Tiger reagierte überraschend
positiv, sodass ich auf ihre Fragen schnell kreativ
werden musste. Meine imaginäre Firma nannte ich ganz
spontan Blue Ribbon – inspiriert von einer blauen
Schleife, die in meinem Zimmer hing. Mit diesem ersten
Erfolg im Rücken, reiste ich weiter über die Philippi-
nen nach Indien, wo ich mir die schlimmste Lebensmit-telvergiftung meines Lebens zuzog, zu den Pyrami-
den in Ägypten, nach Griechenland, wo ich beim Tempel
der Göttin Nike unwissentlich die Zukunft vorhersah
und schließlich in die so beliebten, europäischen Metro-
polen Rom, Mailand, Paris und London. BLUE RIBBON – THE EMPIRE Inspiriert von den berauschenden Abenteuern, die ich
in der Welt so erlebt hatte, kehrte ich nach Oregon
zurück. Ich erhielt die ersten Lieferungen aus Japan, die
zunächst aus dem Kofferraum meines Plymouth
Valiant verkauft wurden. Mit einer Investition meines
Vaters über 50 Dollar startete ich meinen Traum ein
Statement gegen die ganz Großen zu setzen. Dabei hatte
ich die beiden deutschen Sportindustriegiganten
Puma und Adidas aus Herzogenaurach im Visier. Mein
größtes Problem bestand jedoch aus dem nie endenden
Kampf mit den Banken. Immer wieder hatte ich das
Gefühl Blue Ribbon stehe kurz vor dem Abgrund, denn
es schien beinahe unmöglich die Balance zwischen
verlässlichen und ausreichenden Lieferungen mit recht-zeitigenZahlungen an die Banken und an Onitsuka
zu finden. Doch als Überlebenskünstler schaffte ich es
irgendwie immer meinen Kopf aus der Schlinge zu
ziehen und erzielte so im Jahr 1963 tatsächlich ein Um-
satz von 8.000 Dollar. Es war ein ewiges hin und
her – doch mir schien als wäre das Interesse vorhanden,
denn meine Schuhe kamen gut an, und so konnte ich
meine Firma über die Jahre expandieren. BACKEN MIT BILL Schließlich holte ich mir auch meinen ehemaligen Trainer Bill Bowerman mit ins Boot. Er war der Mann hinter den Kulissen – der geniale Entwickler im Hintergrund. Ihm habt ihr es zu verdanken, dass ihr in den Nike Free wie auf Federn geht. Dieser ver-
rückte Lauffanatiker brachte es doch tatsächlich so-
weit flüssigen Kunststoff in ein Waffeleisen zu gießen, woraus er letztlich die Schuhsohle zauberte. Und während dem Bowerman eine verrückte Idee nach der anderen kam, hatte ich mit zahlreichen Problemen zu kämpfen. Die Banken brachten mir aufgrund des rasanten Aufstiegs zu wenig Vertrauen gegenüber und Onitsuka verhandelte laufend mit anderen Händlern, die Büroräume wurden nahezu wöchentlich zu klein für das wachsende Laufschuhimperium, und meistens war ich sowohl mit den Lieferungen als auch mit den Zahlungen im Rückstand. Obwohl ich mich jahrelang weigerte mein Unterneh-
men der Börse zum Fraß vorzuwerfen, schien es mir eines Tages der letzte Ausweg zu sein meine Firma fortzuführen und den so rasanten Anstieg weiterhin zu garantieren. Als letztlich auch die Vertriebspartner-
schaft mit Onitsuka in die Brüche ging, zog ich mich mit meinem Team zurück und wir entschieden uns für den großen Schritt. Wir nutzten diese Situation für eine Umstrukturierung, sodass in einer Nacht- und Nebel- aktion im Jahr 1971 Nike entstand. Kurz darauf wurde der berühmte Swoosh – für »satte« 35 Dollar entwickelt. AM TISCH MIT BILL GATES UND WARREN BUFFETT Heute weiß ich, dass ich es geschafft habe. Meine Vision mit den Sportgiganten Adidas und Puma zu konkur-
rieren ist wahr geworden. Man nennt mich einen der erfolgreichsten Unternehmer, den diese Welt je ge-
kannt hat. Und ich muss mir doch eingestehen: Geld ist nicht alles. Die Opfer, die ich für meinen Erfolg gebracht habe, waren groß und einige davon würde ich heute nicht mehr erbringen. Meine Prioritäten würden variie- ren, aber für meine Vision würde ich immer wieder kämpfen und alles geben, denn das war mein Traum.