ODER BESSER IM HERZEN? WIE MIR MIT 20 JAHREN 
DIAGNOSTIZIERTWURDE, DASS ICH EIN EMAH SEI UND WARUM 
ICH KEIN WLAN AUF DER INTENSIVSTATION HATTE. + RHYTMUS IM BLUT
Vor zwei Monaten stand wieder der jährliche Kontroll-termin beim Kardiologen an. Meistens meide ich jeg-liche Gedanken daran und habe den Termin im Alltag
integriert wie meinen Zahnarztbesuch. Das hat nichts
mit Verdrängen zu tun, sondern viel mehr mit mei-
ner Überzeugung heute ein gesundes Leben zu führen.
 Ich bin ein EMAH – Ein Erwachsener mit angebo-renem Herzfehler. Dass ich mich überhaupt als solcher
bezeichnen kann, habe ich wohl den Neuerungen in
der Medizin zu verdanken. Denn bis vor ein paar Jahr-zehnten gab es keine EMAHs. Kinder mit angebo-
renen Herzfehlern hatten eine geringe Lebenserwar-tung und schafften es oft nicht ins Erwachsenen-
alter zu kommen. Heute ist das anders. Jährlich wer-
den in Deutschland etwa 6000 Säuglinge mit einem
Herzfehler geboren, 1993 war ich einer davon. Die
Besonderheit in meinem Fall war jedoch die Tatsache,
dass ich bis zu meinem 20. Lebensjahr nichts von
meinem Herzfehler wusste.  HERZKLOPFEN AUF GANZ
NEUEM NIVEAU Erst aufgrund von über Stunden andauernden Herz-rhythmusstörungen überwand ich meinen inneren
Schweinehund und ließ mich überreden ein Kranken-haus aufzusuchen. Statt einem erwarteten Routine-check von meinen bis dahin als nervig, aber harmlos
eingeschätzten Beschwerden, ging es für mich im Hand-umdrehen auf die Intensivstation. Doch die Dramatik
der Situation, die meine Mutter sofort zu packen schien,
blieb bei mir aus. Intensivstation hin oder her – ich
erkundigte mich bei den Schwestern nach dem WLAN-Passwort, welches – wie ich feststellen musste – nicht existierte. Noch immer gab ich mir alle Mühe die
Geschehnisse in keiner Weise an mich herankommen
zu lassen. Und dank der Medikamente fing sich
mein Herz über Nacht und schlug endlich wieder im
Sinusrhythmus. Für mich war damit dieser merkwür-dige Alptraum der Intensivstation endlich vorbei
und nach den anstehenden Routineuntersuchungen
wollte ich nur noch nach Hause. Doch die Ärzte wa-
ren lange nicht so erfreut wie ich, denn ihr Ziel war
es eine Ursache für diese Aufruhr zu finden. Denn wie
sich herausstellte fehlte nicht viel zu einem Herzin-
farkt. Und nun kam die Botschaft auch bei mir an – das
hier war kein einfacher Husten oder Karies – das hier
war ein klein bisschen mehr.
MEINE DIAGNOSE:
COR TRIATRIATUM Nach ein paar Stunden und einem Ultraschall, sowie
einem EKG später, fanden die Ärzte nun auch die Ursa-
che. Cor triatriatum, lautete meine Diagnose, und da-
mit konnte ich genauso wenig anfangen, wie jeder an-
dere Mensch der nicht bis in die Perfektion Latein
spricht. Doch als mein behandelnder Arzt seine Sprach-kenntnisse mit mir teilte, verstand ich langsam. Cor
war das Herz, in dem sich tria also drei Atrien, sprich Herz-vorhöfe befanden. Mein linker Herzvorhof war durch
eine Membran noch einmal unterteilt, wodurch das Blut
nicht ordnungsgemäß zirkulieren konnte. Eine Folge
war die Vergrößerung meines Herzens, was wiederum
eine Undichtigkeit der Herzklappen verursachte.
Ein paar Monate nach dieser Diagnose sägten Mediz-
iner der Universitätsklinik Münster meinen Brust-
korb auf und machten sich ans Werk, während ich an
der Herz-Lungen-Maschine hing. Fünf Stunden spä-
ter wurde mein Brustkorb wieder zugenäht. Und eine
lange Zeit der Rehabilitation wartete auf mich. Und
dort wurde mir wieder einmal bewusst, dass ein EMAH
nicht alltäglich ist. Mit meinen 21 Jahren sank dank
mir der Altersdurchschnitt der Rehaklinik drastisch.
Mit 20 Senioren durfte ich meine Atemübungen,
Physiotherapien und das Bewegungstraining für die nächsten sechs Wochen bestreiten. Meine Begeiste-
rung hielt sich sehr in Grenzen, doch meine Geschichte
schien die älteren Damen und Herren zu unterhalten. MEDIZINTECHNIK, DIE MIR
DAS LEBEN RETTETE Ich hatte großes Glück mit dem Uniklinikum Münster
eines der besten EMAH-Zentren direkt vor der Tür
zu haben, denn davon gibt es nicht viele. Hier sind die
Kardiologen spezialisiert auf Fälle wie mich und be-handeln Patienten aus ganz Deutschland. EMAHs brau-chen viel Beratung: Wie stark darf ich mich belasten
und welchen Sport darf ich machen? Welche Berufe darf
ich ausüben? Darf ich fliegen? Kann ich problemlos
schwanger werden? Langsam reagiert die Medizin auf
diese neue Herausforderung und bemüht sich um
Spezialisten, die sowohl von der Kinderkardiologie als
auch von den Herzerkrankungen erwachsener Men-
schen Ahnung haben. Glücklicherweise ist bei mir alles
optimal verlaufen, sodass ich keine weiteren Einschrän-kungen in meinem Alltag habe und mich vermutlich
erst wieder mit 80 Jahren einem vielleicht etwas natür-licherennHerzproblem stellen muss. Solange kann 
ich aber noch Sport machen, um die Welt fliegen und
mich aufregen, bis ich umkippe.
^ ^
CORPUS ANIMA MORBUS RATIO +
ODER BESSER IM HERZEN? WIE MIR MIT 20 JAHREN 
DIAGNOSTIZIERTWURDE, DASS ICH EIN EMAH SEI UND WARUM 
ICH KEIN WLAN AUF DER INTENSIVSTATION HATTE. + RHYTMUS IM BLUT
CORPUS
ANIMA
MORBUS
RATIO
+
Vor zwei Monaten stand wieder der jährliche Kontroll-termin beim Kardiologen an. Meistens meide ich jeg-liche Gedanken daran und habe den Termin im Alltag
integriert wie meinen Zahnarztbesuch. Das hat nichts
mit Verdrängen zu tun, sondern viel mehr mit mei-
ner Überzeugung heute ein gesundes Leben zu führen.
 Ich bin ein EMAH – Ein Erwachsener mit angebo-renem Herzfehler. Dass ich mich überhaupt als solcher
bezeichnen kann, habe ich wohl den Neuerungen in
der Medizin zu verdanken. Denn bis vor ein paar Jahr-zehnten gab es keine EMAHs. Kinder mit angebo-
renen Herzfehlern hatten eine geringe Lebenserwar-tung und schafften es oft nicht ins Erwachsenen-
alter zu kommen. Heute ist das anders. Jährlich wer-
den in Deutschland etwa 6000 Säuglinge mit einem
Herzfehler geboren, 1993 war ich einer davon. Die
Besonderheit in meinem Fall war jedoch die Tatsache,
dass ich bis zu meinem 20. Lebensjahr nichts von
meinem Herzfehler wusste.  HERZKLOPFEN AUF GANZ
NEUEM NIVEAU Erst aufgrund von über Stunden andauernden Herz-rhythmusstörungen überwand ich meinen inneren
Schweinehund und ließ mich überreden ein Kranken-haus aufzusuchen. Statt einem erwarteten Routine-check von meinen bis dahin als nervig, aber harmlos
eingeschätzten Beschwerden, ging es für mich im Hand-umdrehen auf die Intensivstation. Doch die Dramatik
der Situation, die meine Mutter sofort zu packen schien,
blieb bei mir aus. Intensivstation hin oder her – ich
erkundigte mich bei den Schwestern nach dem WLAN-Passwort, welches – wie ich feststellen musste – nicht existierte. Noch immer gab ich mir alle Mühe die
Geschehnisse in keiner Weise an mich herankommen
zu lassen. Und dank der Medikamente fing sich
mein Herz über Nacht und schlug endlich wieder im
Sinusrhythmus. Für mich war damit dieser merkwür-dige Alptraum der Intensivstation endlich vorbei
und nach den anstehenden Routineuntersuchungen
wollte ich nur noch nach Hause. Doch die Ärzte wa-
ren lange nicht so erfreut wie ich, denn ihr Ziel war
es eine Ursache für diese Aufruhr zu finden. Denn wie
sich herausstellte fehlte nicht viel zu einem Herzin-
farkt. Und nun kam die Botschaft auch bei mir an – das
hier war kein einfacher Husten oder Karies – das hier
war ein klein bisschen mehr.
MEINE DIAGNOSE:
COR TRIATRIATUM Nach ein paar Stunden und einem Ultraschall, sowie
einem EKG später, fanden die Ärzte nun auch die Ursa-
che. Cor triatriatum, lautete meine Diagnose, und da-
mit konnte ich genauso wenig anfangen, wie jeder an-
dere Mensch der nicht bis in die Perfektion Latein
spricht. Doch als mein behandelnder Arzt seine Sprach-kenntnisse mit mir teilte, verstand ich langsam. Cor
war das Herz, in dem sich tria also drei Atrien, sprich Herz-vorhöfe befanden. Mein linker Herzvorhof war durch
eine Membran noch einmal unterteilt, wodurch das Blut
nicht ordnungsgemäß zirkulieren konnte. Eine Folge
war die Vergrößerung meines Herzens, was wiederum
eine Undichtigkeit der Herzklappen verursachte.
Ein paar Monate nach dieser Diagnose sägten Mediz-
iner der Universitätsklinik Münster meinen Brust-
korb auf und machten sich ans Werk, während ich an
der Herz-Lungen-Maschine hing. Fünf Stunden spä-
ter wurde mein Brustkorb wieder zugenäht. Und eine
lange Zeit der Rehabilitation wartete auf mich. Und
dort wurde mir wieder einmal bewusst, dass ein EMAH
nicht alltäglich ist. Mit meinen 21 Jahren sank dank
mir der Altersdurchschnitt der Rehaklinik drastisch.
Mit 20 Senioren durfte ich meine Atemübungen,
Physiotherapien und das Bewegungstraining für die nächsten sechs Wochen bestreiten. Meine Begeiste-
rung hielt sich sehr in Grenzen, doch meine Geschichte
schien die älteren Damen und Herren zu unterhalten. MEDIZINTECHNIK, DIE MIR
DAS LEBEN RETTETE Ich hatte großes Glück mit dem Uniklinikum Münster
eines der besten EMAH-Zentren direkt vor der Tür
zu haben, denn davon gibt es nicht viele. Hier sind die
Kardiologen spezialisiert auf Fälle wie mich und be-handeln Patienten aus ganz Deutschland. EMAHs brau-chen viel Beratung: Wie stark darf ich mich belasten
und welchen Sport darf ich machen? Welche Berufe darf
ich ausüben? Darf ich fliegen? Kann ich problemlos
schwanger werden? Langsam reagiert die Medizin auf
diese neue Herausforderung und bemüht sich um
Spezialisten, die sowohl von der Kinderkardiologie als
auch von den Herzerkrankungen erwachsener Men-
schen Ahnung haben. Glücklicherweise ist bei mir alles
optimal verlaufen, sodass ich keine weiteren Einschrän-kungen in meinem Alltag habe und mich vermutlich
erst wieder mit 80 Jahren einem vielleicht etwas natür-licherennHerzproblem stellen muss. Solange kann 
ich aber noch Sport machen, um die Welt fliegen und
mich aufregen, bis ich umkippe.