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CORPUS ANIMA MORBUS RATIO +
Die gemeine Stechmücke – Wir alle kennen und hassen sie: Die Mücke, die uns in warmen Sommernächten belästigt und deren Summen uns in den Wahnsinn treibt. Doch im Endeffekt wacht man morgens nur mit ein paar nervigen Stichen an sämtlichen, teils fragwürdigen Körperteilen auf. Ja, die Gemeine Stechmücke oder Culex pipiens, wie man dieses blutrünstige Geschöpf im Lateinischen nennt, macht ihrem Namen wirklich alle Ehre. Im Vergleich zu ihren Verwandten in den tropischen Regionen dieser Welt, ist sie allerdings nicht wirklich zu fürchten. Dort fühlt sich die Gattung Anopheles oder auch Malaria-, Gabel- oder Fiebermücke genannt, überaus wohl. Diese Gattung umfasst 420 Arten von denen 40 als Überträger von Malaria auftreten können. Dadurch ist dieses schmächtige, nur sechs Millimeter kleine Insekt indirekt für den Tod von 400.000 Menschen im Jahr verantwortlich.
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 DIE PERFEKTE MANIPULATION Forscher glauben nun eine Methode entwickelt zu haben, die die Mücke gentechnisch so verändern könnte, dass sie nach einer gewissen Zeit der Fortpflanzung ungefährlich für den Menschen wird. Mit dem sogenannten »Gene Drive«-Verfahren soll dies möglich gemacht werden, und zwar indem es das Prinzip der Mendel’schen Vererbungsregeln untergräbt. Falls du dich nicht mehr an den Biologieunterricht erinnern kannst: Die Regel besagt, dass bei einer normalen geschlechtlichen Fortpflanzung sowohl die Gene der Mutter als auch die des Vaters gleichermaßen die Chance haben, an den Nachwuchs weitergegeben zu werden. Das »Gene Drive«-Verfahren greift an dieser Stelle und manipuliert bestimmte Gene nämlich so, dass sie in jedem Fall an die nachfolgende Generation weitergegeben werden. Das könnte schlussendlich dazu führen, dass ein großer Anteil der Population, oder im Optimalfall sogar die komplette Spezies, dieses Gen in sich trägt und Malaria somit nicht mehr über die Spezies Anopheles-Mücke verbreitet werden kann. Möglich macht das die sogenannte CRISPR / Cas-Methode. Sie hat die Gentherapie, durch die Möglichkeit gezielt ausgewähltes Erbgut verändern zu können, revolutioniert. Verwendet werden hierbei spezielle »Gen-Scheren«, die für bestimmte Generkrankungen hergestellt werden. Damit schneidet man das gewünschte Gen auf und tauscht die für die Krankheit verantwortliche Sequenzabfolge gegen eine völlig gesunde aus. Es kann also genau dort eingegriffen werden, wo der Schaden entsteht. DIE ZUKUNFTSAUSSICHTEN »Gene Drive«, was übersetzt so viel wie »Gen-Antrieb« bedeutet, weckt enorme Hoffnungen und lässt den Namen zum Programm werden. So ist nicht mehr nur die Rede von dem Ende der Malaria übertragenden Mücke. Wissenschaftler in aller Welt sehen in der CRISPR / Cas-Methode eine Möglichkeit Krankheiten wie das Denguefieber und das Zika-Virus effektiv zu bekämpfen. In Australien hat dieses Verfahren sogar die Ausbreitung der Aga-Kröte gestoppt, die vor Jahren eingeschleppt wurde und eine Bedrohung für das dortige Ökosystem dargestellte. KRITISCHE STIMMEN So schön sich das alles auch anhören mag: Natürlich wirft auch dieses Thema viele Fragen auf, die beantwortet werden wollen. Eine davon ist sicherlich die, wie die Folgen einer Erbgutveränderung für die Umwelt aussehen können, wenn eine solche Veränderung eine ganze Spezies betrifft. Könnten sich die Gene auf andere Arten ausbreiten? Oder man stelle sich nur vor die Methode wirke umgekehrt und verbreite ungewollt die gefährlichen Erreger. Bisher laufen zu diesem Verfahren nur Laborexperimente an Hefe, Fruchtfliegen und Moskitos. Da noch kaum Gewissheit über mögliche Spätfolgen oder Nebenwirkungen besteht, fordert ein hochrangiges wissenschaftliches Komitee aus den USA, dass noch viel im Labor darüber geforscht wird. Manche, teils renommierte Forscher des Massachusetts Institute of Technology MIT, fordern sogar einen auf das »Gene Drive« bezogenen offenen Forschungsansatz, indem Ergebnisse frühstmöglich veröffentlicht werden sollen.
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Die gemeine Stechmücke – Wir alle kennen und hassen sie: Die Mücke, die uns in warmen Sommernächten belästigt und deren Summen uns in den Wahnsinn treibt. Doch im Endeffekt wacht man morgens nur mit ein paar nervigen Stichen an sämtlichen, teils fragwürdigen Körperteilen auf. Ja, die Gemeine Stechmücke oder Culex pipiens, wie man dieses blutrünstige Geschöpf im Lateinischen nennt, macht ihrem Namen wirklich alle Ehre. Im Vergleich zu ihren Verwandten in den tropischen Regionen dieser Welt, ist sie allerdings nicht wirklich zu fürchten. Dort fühlt sich die Gattung Anopheles oder auch Malaria-, Gabel- oder Fiebermücke genannt, überaus wohl. Diese Gattung umfasst 420 Arten von denen 40 als Überträger von Malaria auftreten können. Dadurch ist dieses schmächtige, nur sechs Millimeter kleine Insekt indirekt für den Tod von 400.000 Menschen im Jahr verantwortlich.
 DIE PERFEKTE MANIPULATION Forscher glauben nun eine Methode entwickelt zu haben, die die Mücke gentechnisch so verändern könnte, dass sie nach einer gewissen Zeit der Fortpflanzung ungefährlich für den Menschen wird. Mit dem sogenannten »Gene Drive«-Verfahren soll dies möglich gemacht werden, und zwar indem es das Prinzip der Mendel’schen Vererbungsregeln untergräbt. Falls du dich nicht mehr an den Biologieunterricht erinnern kannst: Die Regel besagt, dass bei einer normalen geschlechtlichen Fortpflanzung sowohl die Gene der Mutter als auch die des Vaters gleichermaßen die Chance haben, an den Nachwuchs weitergegeben zu werden. Das »Gene Drive«-Verfahren greift an dieser Stelle und manipuliert bestimmte Gene nämlich so, dass sie in jedem Fall an die nachfolgende Generation weitergegeben werden. Das könnte schlussendlich dazu führen, dass ein großer Anteil der Population, oder im Optimalfall sogar die komplette Spezies, dieses Gen in sich trägt und Malaria somit nicht mehr über die Spezies Anopheles-Mücke verbreitet werden kann. Möglich macht das die sogenannte CRISPR / Cas-Methode. Sie hat die Gentherapie, durch die Möglichkeit gezielt ausgewähltes Erbgut verändern zu können, revolutioniert. Verwendet werden hierbei spezielle »Gen-Scheren«, die für bestimmte Generkrankungen hergestellt werden. Damit schneidet man das gewünschte Gen auf und tauscht die für die Krankheit verantwortliche Sequenzabfolge gegen eine völlig gesunde aus. Es kann also genau dort eingegriffen werden, wo der Schaden entsteht. DIE ZUKUNFTSAUSSICHTEN »Gene Drive«, was übersetzt so viel wie »Gen-Antrieb« bedeutet, weckt enorme Hoffnungen und lässt den Namen zum Programm werden. So ist nicht mehr nur die Rede von dem Ende der Malaria übertragenden Mücke. Wissenschaftler in aller Welt sehen in der CRISPR / Cas-Methode eine Möglichkeit Krankheiten wie das Denguefieber und das Zika-Virus effektiv zu bekämpfen. In Australien hat dieses Verfahren sogar die Ausbreitung der Aga-Kröte gestoppt, die vor Jahren eingeschleppt wurde und eine Bedrohung für das dortige Ökosystem dargestellte. KRITISCHE STIMMEN So schön sich das alles auch anhören mag: Natürlich wirft auch dieses Thema viele Fragen auf, die beantwortet werden wollen. Eine davon ist sicherlich die, wie die Folgen einer Erbgutveränderung für die Umwelt aussehen können, wenn eine solche Veränderung eine ganze Spezies betrifft. Könnten sich die Gene auf andere Arten ausbreiten? Oder man stelle sich nur vor die Methode wirke umgekehrt und verbreite ungewollt die gefährlichen Erreger. Bisher laufen zu diesem Verfahren nur Laborexperimente an Hefe, Fruchtfliegen und Moskitos. Da noch kaum Gewissheit über mögliche Spätfolgen oder Nebenwirkungen besteht, fordert ein hochrangiges wissenschaftliches Komitee aus den USA, dass noch viel im Labor darüber geforscht wird. Manche, teils renommierte Forscher des Massachusetts Institute of Technology MIT, fordern sogar einen auf das »Gene Drive« bezogenen offenen Forschungsansatz, indem Ergebnisse frühstmöglich veröffentlicht werden sollen.