IN DEUTSCHLAND LEIDEN AKTUELL SCHÄTZUNGSWEISE 5% DER BEVÖLKERUNG, D.H. ETWA 4 MILLIONEN MENSCHEN, AN EINER DEPRESSION. + ICH FRAGE MICH OFT, OB ICH NICHT EIN TYRANN WÄRE
Ich denke nicht, dass das, was ich hier schreibe, als allgemeine Beschreibung von Depressiongelten kann. Das könnte es auch kaum geben. Wahrscheinlich gäbe es viele, die auch unter »Depressionen « leiden, aber mit dem Folgenden nichts anfangen könnten. 
 Es ist schwer, die Depression als Krankheit zu akzeptieren. Das, was Depression für mich heißt, besteht aus Gedanken und Gefühlen. Meine Gedanken und meine Gefühle sind meine Identität. Ich dachte, dass das, was jetzt Krankheit ist (oder eben nicht), vermutlich ein Teil meiner Persönlichkeit ist. 
 Sogar ein Teil, den ich lange bevor er sich zur Depression auswuchs, geliebt und für wertvoll gehalten habe. Er gab mir Tiefe. Er gab mir Verbindung mit anderen Menschen, die ich mochte. war ein Ausweg aus der Oberflächlichkeit. Er gab mir Empfindungen wie Ergriffenheit und Rührung. Das war Teil meiner Identität. Er bot mir auch eine Art träumerische Flucht vor dem alltäglichen Leben. Er gab mir Dinge, die wichtiger waren als alltägliche Profanitäten. Ich kann mir mich, wenn ich ehrlich bin, schwer ohne diesen Teil vorstellen. Und daher kann ich mir mich auch nur schwer ohne Depression vorstellen. Und das wiederum ist selbst deprimierend. Ich habe sogar in der letzten Zeit dieses Gefühl, dass ich die Depression eigentlich will. Sie befreit mich immer noch aus der Alltäglichkeit. Sie lädt mein Leben subjektiv mit Bedeutung auf. Sie gibt mir das Gefühl, ständig eine Art heldenhaften, inneren Kampf zu führen. Als wäre mein Leben von besonderer Bedeutung und als warte irgendwo da draußen die filmreife Erlösung. In dieser Hinsicht ist sie arrogant und narzisstisch. Sie versichert mir auch, dass mein Leben nicht gut genug ist. Dass ich eigentlich viel besser sein könnte. Da ich es aber nicht bin, und dennoch daran glauben will, muss ich wenigstens die Realität als unerträglich schmerzhaft empfinden. Denn das ist der Beweis, dass sie so weit unter meinem fantasierten Potential liegt. In gewisser Hinsicht überhöht sie meinen Selbstwert und zertritt ihn gleichzeitig im Dreck. Ich frage mich oft, ob ich nicht ein Tyrann wäre, wenn ich alles bekommen würde, wonach die Depression schreit. Sie fühlt sich manchmal an wie eine tiefsitzende Kränkung, die nach Vergeltung schreit. Und es ist sehr viel Angst dabei. Es klingt banal aber vor allem Angst, verlassen zu werden, aus Verachtung. Weil es andere Menschen gibt, die irgendwie besser sind. Besser aussehen, erfolgreicher sind, witziger sind, selbstbewusster sind, weiser sind, egal was. Schlimmstenfalls noch mehrere Dinge zusammen. Heute mag ich diesen Teil, abseits der Depression, immer noch, aber ich hasse ihn auch. Seltsamerweise überrascht es mich kein bisschen, dass ich depressiv bin. Es fühlt sich an, als habe ich es immer gewusst und fast schon darauf gewartet. Heute mag ich diesen Teil, abseits der Depression, immer noch, aber ich hasse ihn auch. Seltsamerweise überrascht es mich kein bisschen, dass ich depressiv bin. Es fühlt sich an, als habe ich es immer gewusst und fast schon darauf gewartet. 
 Man bekommt viel Mitleid, wenn man Depressionen hat. Zumindest Anteilnahme, oft auch Rücksicht. Ich weiß nicht, ob das gerechtfertigt ist, da der Depression nicht unbedingt sympathische oder ehrenwerte Züge zugrunde liegen. Depressionen sind eine Krankheit, aber auch eine Charakterschwäche. Man merkt das sofort Menschen gegenüber, mit denen man keine freundschaftliche oder irgendwie liebende Beziehung hat. Von diesen Menschen kann man nämlich keinerlei Verständnis und Rücksichtnahme erwarten und ohne diese, ist man zu oft einfach ein wenig verlässlicher und wenig verantwortungsvoller Mensch. 
 Sie ist daher auch sehr belastend für nahestehende Menschen. Ich selbst weiß nicht, ob ich eine Frau mit Depressionen heiraten würde. Nicht, weil ich sie für die Depressionen selbst ablehnen würde. Aber weil ich mir nicht sicher bin, ob ein Mensch mit Depressionen fähig ist, die Verantwortung zu übernehmen, die eine Beziehung zu einem Ehepartner und zu Kindern erfordert. Weil die Depression egozentrisch macht. Das heißt natürlich auch, dass ich daran zweifle, ob irgendeine Frau mit mir eine Beziehung eingehen sollte. Und auch das deprimiert. Die Depression ist oft selbsterhaltend. 
 Oft wenn ich ein Kind sehe das schreit, denke ich an die Depression. Das Kind ist außerstande sich selbst zu helfen. Wenn es aber schreit, wird es von den Eltern erlöst. Und solange die Erlösung ausbleibt, muss es immer lauter schreien. Das ist die kindliche Logik der Depression: ich muss beweisen, dass es mir schlecht geht, damit das Leben mich erlöst. Und wenn es mich noch nicht erlöst, dann geht es mir noch nicht schlecht genug. Der ultimative Beweis wäre dann der Selbstmord.
 Mit dem Selbstmord ist es wie mit einem dunklen Tunnel, in den man mit einem Auto rast. Man weiß der Tunnel endet irgendwann in einer Zementwand, in die man rasen möchte, um zu sterben. Aber man weiß nicht, wie lang der Tunnel ist. Man kann zu keinem Zeitpunkt wissen, wie tief der Tunnel noch wird, bevor man die Wand tatsächlich erreichen würde. Man wüsste es einzig in dem Moment in dem man sie erreichen würde. Aber dann wäre man schon tot. (Es sei denn natürlich, etwas ginge schief, was ja gar nicht wirklich besonders unwahrscheinlich ist.) Ich hatte die Gedanken natürlich schon. Auch einigermaßen konkrete Pläne. Aber letztendlich habe ich keine Ahnung, wie weit ich davon noch entfernt war. 
 Es gibt natürlich auch lichte Momente. Viele sogar, zurzeit. Manchmal ist die Depression ja auch eine ganze Zeit abwesend. Aber alles in allem, so kommt es mir vor, lebe ich immer noch in einer Fantasiewelt. In der Welt, in der ich glaube, dass sich irgendwann alles ändern wird. Ich den großen abstrakten Erfolg haben werde, der mich von der Depression befreit. Nüchtern betrachtet, gibt es keinerlei Grund, davon auszugehen. Aber oft bin ich die Depression genau dann los, wenn ich am meisten an diese Fantasie glaube. D.h. auch in diesen Momenten ist sie eigentlich nicht fern.
^ ^
CORPUS ANIMA MORBUS RATIO +
IN DEUTSCHLAND LEIDEN AKTUELL SCHÄTZUNGSWEISE 5% DER BEVÖLKERUNG, D.H. ETWA 4 MILLIONEN MENSCHEN, AN EINER DEPRESSION. + ICH FRAGE MICH OFT, OB ICH NICHT EIN TYRANN WÄRE
CORPUS
ANIMA
MORBUS
RATIO
+
Ich denke nicht, dass das, was ich hier schreibe, als allgemeine Beschreibung von Depressiongelten kann. Das könnte es auch kaum geben. Wahrscheinlich gäbe es viele, die auch unter »Depressionen « leiden, aber mit dem Folgenden nichts anfangen könnten. 
 Es ist schwer, die Depression als Krankheit zu akzeptieren. Das, was Depression für mich heißt, besteht aus Gedanken und Gefühlen. Meine Gedanken und meine Gefühle sind meine Identität. Ich dachte, dass das, was jetzt Krankheit ist (oder eben nicht), vermutlich ein Teil meiner Persönlichkeit ist. 
 Sogar ein Teil, den ich lange bevor er sich zur Depression auswuchs, geliebt und für wertvoll gehalten habe. Er gab mir Tiefe. Er gab mir Verbindung mit anderen Menschen, die ich mochte. war ein Ausweg aus der Oberflächlichkeit. Er gab mir Empfindungen wie Ergriffenheit und Rührung. Das war Teil meiner Identität. Er bot mir auch eine Art träumerische Flucht vor dem alltäglichen Leben. Er gab mir Dinge, die wichtiger waren als alltägliche Profanitäten. Ich kann mir mich, wenn ich ehrlich bin, schwer ohne diesen Teil vorstellen. Und daher kann ich mir mich auch nur schwer ohne Depression vorstellen. Und das wiederum ist selbst deprimierend. Ich habe sogar in der letzten Zeit dieses Gefühl, dass ich die Depression eigentlich will. Sie befreit mich immer noch aus der Alltäglichkeit. Sie lädt mein Leben subjektiv mit Bedeutung auf. Sie gibt mir das Gefühl, ständig eine Art heldenhaften, inneren Kampf zu führen. Als wäre mein Leben von besonderer Bedeutung und als warte irgendwo da draußen die filmreife Erlösung. In dieser Hinsicht ist sie arrogant und narzisstisch. Sie versichert mir auch, dass mein Leben nicht gut genug ist. Dass ich eigentlich viel besser sein könnte. Da ich es aber nicht bin, und dennoch daran glauben will, muss ich wenigstens die Realität als unerträglich schmerzhaft empfinden. Denn das ist der Beweis, dass sie so weit unter meinem fantasierten Potential liegt. In gewisser Hinsicht überhöht sie meinen Selbstwert und zertritt ihn gleichzeitig im Dreck. Ich frage mich oft, ob ich nicht ein Tyrann wäre, wenn ich alles bekommen würde, wonach die Depression schreit. Sie fühlt sich manchmal an wie eine tiefsitzende Kränkung, die nach Vergeltung schreit. Und es ist sehr viel Angst dabei. Es klingt banal aber vor allem Angst, verlassen zu werden, aus Verachtung. Weil es andere Menschen gibt, die irgendwie besser sind. Besser aussehen, erfolgreicher sind, witziger sind, selbstbewusster sind, weiser sind, egal was. Schlimmstenfalls noch mehrere Dinge zusammen. Heute mag ich diesen Teil, abseits der Depression, immer noch, aber ich hasse ihn auch. Seltsamerweise überrascht es mich kein bisschen, dass ich depressiv bin. Es fühlt sich an, als habe ich es immer gewusst und fast schon darauf gewartet. Heute mag ich diesen Teil, abseits der Depression, immer noch, aber ich hasse ihn auch. Seltsamerweise überrascht es mich kein bisschen, dass ich depressiv bin. Es fühlt sich an, als habe ich es immer gewusst und fast schon darauf gewartet. 
 Man bekommt viel Mitleid, wenn man Depressionen hat. Zumindest Anteilnahme, oft auch Rücksicht. Ich weiß nicht, ob das gerechtfertigt ist, da der Depression nicht unbedingt sympathische oder ehrenwerte Züge zugrunde liegen. Depressionen sind eine Krankheit, aber auch eine Charakterschwäche. Man merkt das sofort Menschen gegenüber, mit denen man keine freundschaftliche oder irgendwie liebende Beziehung hat. Von diesen Menschen kann man nämlich keinerlei Verständnis und Rücksichtnahme erwarten und ohne diese, ist man zu oft einfach ein wenig verlässlicher und wenig verantwortungsvoller Mensch. 
 Sie ist daher auch sehr belastend für nahestehende Menschen. Ich selbst weiß nicht, ob ich eine Frau mit Depressionen heiraten würde. Nicht, weil ich sie für die Depressionen selbst ablehnen würde. Aber weil ich mir nicht sicher bin, ob ein Mensch mit Depressionen fähig ist, die Verantwortung zu übernehmen, die eine Beziehung zu einem Ehepartner und zu Kindern erfordert. Weil die Depression egozentrisch macht. Das heißt natürlich auch, dass ich daran zweifle, ob irgendeine Frau mit mir eine Beziehung eingehen sollte. Und auch das deprimiert. Die Depression ist oft selbsterhaltend. 
 Oft wenn ich ein Kind sehe das schreit, denke ich an die Depression. Das Kind ist außerstande sich selbst zu helfen. Wenn es aber schreit, wird es von den Eltern erlöst. Und solange die Erlösung ausbleibt, muss es immer lauter schreien. Das ist die kindliche Logik der Depression: ich muss beweisen, dass es mir schlecht geht, damit das Leben mich erlöst. Und wenn es mich noch nicht erlöst, dann geht es mir noch nicht schlecht genug. Der ultimative Beweis wäre dann der Selbstmord.
 Mit dem Selbstmord ist es wie mit einem dunklen Tunnel, in den man mit einem Auto rast. Man weiß der Tunnel endet irgendwann in einer Zementwand, in die man rasen möchte, um zu sterben. Aber man weiß nicht, wie lang der Tunnel ist. Man kann zu keinem Zeitpunkt wissen, wie tief der Tunnel noch wird, bevor man die Wand tatsächlich erreichen würde. Man wüsste es einzig in dem Moment in dem man sie erreichen würde. Aber dann wäre man schon tot. (Es sei denn natürlich, etwas ginge schief, was ja gar nicht wirklich besonders unwahrscheinlich ist.) Ich hatte die Gedanken natürlich schon. Auch einigermaßen konkrete Pläne. Aber letztendlich habe ich keine Ahnung, wie weit ich davon noch entfernt war. 
 Es gibt natürlich auch lichte Momente. Viele sogar, zurzeit. Manchmal ist die Depression ja auch eine ganze Zeit abwesend. Aber alles in allem, so kommt es mir vor, lebe ich immer noch in einer Fantasiewelt. In der Welt, in der ich glaube, dass sich irgendwann alles ändern wird. Ich den großen abstrakten Erfolg haben werde, der mich von der Depression befreit. Nüchtern betrachtet, gibt es keinerlei Grund, davon auszugehen. Aber oft bin ich die Depression genau dann los, wenn ich am meisten an diese Fantasie glaube. D.h. auch in diesen Momenten ist sie eigentlich nicht fern.