DAS DEUTSCHE GESUNDHEITSSYSTEM UND SEINE ENTSTEHUNG + DER EISERNE KANZLER, SOZIAL VERANLAGT
CORPUS ANIMA MORBUS +
RATIO Text: Juliane Linnenbaum, Public Health Studentin (M.Sc.)
Das deutsche Gesundheitssystem bietet der Bevölkerung
eine hochwertige Versorgung. Seit der Initiierung eines
ersten Versicherungssystems durch Reichskanzler Otto von
Bismarck 1883, entwickelte sich das bis heute genannte
»Bismarcksche System« laufend weiter, sodass die Finan-zierung der medizinischen Versorgung der Bevölkerung
aktuell gesichert ist. Aufgrund der in Deutschland vor-geschriebenen Versicherungspflicht ist jeder Bürger dazu
verpflichtet sich mindestens gesetzlich zu versichern. Wer
mit seinem Bruttogehalt die Versicherungspflichtgrenze
überschreitet, kann sich freiwillig privat versichern lassen. UND WER ZAHLT? Die Kosten des Gesundheitssystems werden überwiegend
durch Versicherungsbeiträge und Zuschüsse aus Steuer
einnahmen finanziert. Hierbei handelt es sich um das Soli-daritätsprinzip: Alle gesetzlich Versicherten haben den
gleichen Versorgungsanspruch und tragen gemeinsam die
Kosten für die medizinische Versorgung im Krankheitsfall.
Die Beiträge richten sich nach dem Einkommen, sodass
hierdurch Reiche für Arme zahlen, aber auch gesunde für
kranke Menschen aufkommen. Der Staat beschließt
grundlegende Rahmenbedingungen der medizinischen
Versorgung. Entscheidungen zur konkreten Ausgestaltung,
Organisation und Finanzierung einzelner Leistungen
übernehmen im Zuge des Selbstverwaltungsprinzips die ge-setzlich ernannten Einrichtungen des Gesundheitswesens. DIE DREI INSTANZEN DES
GESUNDHEITSSYSTEMS Unser Gesundheitssystem ist dezentral organisiert, selbst-
verwaltet und wird von vielen Beteiligten getragen. Ne-
ben den Versicherten und den Versicherungen gibt es noch
weitere Akteure im deutschen Gesundheitssystem: die Lei-stungserbringer. Hierzu zählen Ärzte, Apotheker, Pflege-personal und sonstige Heilberufe. Ihre Aufgabe ist es durch ambulante oder stationäre Versorgung sowie in Form von Rehabilitationsmaßnahmen, den Patienten zu helfen und nach Möglichkeit zu heilen. Mit seinem umfangreichen Ver-sorgungsangebot gehört das deutsche Gesundheitssystem zu den teuersten aber auch besten der Welt, kaum ein ande-res Land bietet Patienten derart umfassende Leistungen.
01 Die Zufriedenheit der Bürger mit
ihrer medizinischen Versorgung
liegt heute bei historischen Spit-
zenwerten über 80%.
02 Die Ausgaben für
Gesundheit betragen
rund 328 Milliarden
Euro jährlich.
03 Die Gesundheitsausgaben ma-chen ca. 11% des deutschen
Bruttoinlandsprodukts (BIP) aus.
04 Rund 5,2 Millionen
Menschen sind in der
Gesundheitswirtschaft
beschäftigt – das ist
jeder achte Arbeitsplatz
in Deutschland.
05 Jährlich fließen 31
Milliarden Euro durch
Privatversicherte ins
Gesundheitssystem.
 O T T O V O N B I S M A R C K Otto von Bismarck (1815 – 1898) war zunächst der Ministerpräsident
des Königreichs Preußen sowie der Bundeskanzler des Norddeutschen Bundes. Von 1871 – 1890 bedeckte er das Amt des 1. Reichskanzlers des Deutschen Reiches, für dessen Gründung er mitverantwortlich war. Trotz seines berühmten Spitznamens »Eiserner Kanzler«, brachte Bismarck innenpolitisch viele soziale Neuerungen mit sich. Neben der Zivilehe zählte besonders die Erfindung des Sozialversicherungs-systems zu seinen Verdiensten. »Bismarck«-Systeme werden soziale Krankenversicherungen genannt, die aus Sozialabgaben der Versicherten und ihrer Arbeitgeber finanziert werden. Ihren Ursprung finden sie in der von Bismarck 1883 einge-führten gesetzlichen Krankenversicherung. Es gibt drei unterschied-liche Grundrichtungen: regionale, beziehungsweise zentrale Einheits-versicherung, wie beispielsweise in Frankreich, Polen und Tschechien, betriebliche beziehungsweise berufliche und regionale Pflichtver-sicherungen wie zum Beispiel in Belgien, Japan und Österreich sowie ein gegliedertes System mit freier Kassenwahl und Kassenwettbewerb, vorhanden n Deutschland, den Niederlanden und der Schweiz.
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» WENN ES KEINE PARLAMENTE GÄBE, KÖNNTE JEDER KELLNER REGIEREN. « + OTTO VON BISMARCK
S O Z I A L G E S E T Z G E B U N G I M D E U T S C H E N K A I S E R R E I C H ( 1 8 7 1 – 1 9 1 8 )
1883 Gesetz betreffend
Krankenversicherung
der Arbeiter
1884 Unfallversicherungs-gesetz
1889 Gesetz zur Invali-
ditäts- und Alters-versicherung
1911 Versicherungsgesetz
für die Angestellten:
Reichsversicherungs-ordnung
DAS DEUTSCHE GESUNDHEITSSYSTEM UND SEINE ENTSTEHUNG + DER EISERNE KANZLER, SOZIAL VERANLAGT
CORPUS
ANIMA
MORBUS
RATIO
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Text: Juliane Linnenbaum, Public Health Studentin (M.Sc.) Das deutsche Gesundheitssystem bietet der Bevölkerung
eine hochwertige Versorgung. Seit der Initiierung eines
ersten Versicherungssystems durch Reichskanzler Otto von
Bismarck 1883, entwickelte sich das bis heute genannte
»Bismarcksche System« laufend weiter, sodass die Finan-zierung der medizinischen Versorgung der Bevölkerung
aktuell gesichert ist. Aufgrund der in Deutschland vor-geschriebenen Versicherungspflicht ist jeder Bürger dazu
verpflichtet sich mindestens gesetzlich zu versichern. Wer
mit seinem Bruttogehalt die Versicherungspflichtgrenze
überschreitet, kann sich freiwillig privat versichern lassen. UND WER ZAHLT? Die Kosten des Gesundheitssystems werden überwiegend
durch Versicherungsbeiträge und Zuschüsse aus Steuer
einnahmen finanziert. Hierbei handelt es sich um das Soli-daritätsprinzip: Alle gesetzlich Versicherten haben den
gleichen Versorgungsanspruch und tragen gemeinsam die
Kosten für die medizinische Versorgung im Krankheitsfall.
Die Beiträge richten sich nach dem Einkommen, sodass
hierdurch Reiche für Arme zahlen, aber auch gesunde für
kranke Menschen aufkommen. Der Staat beschließt
grundlegende Rahmenbedingungen der medizinischen
Versorgung. Entscheidungen zur konkreten Ausgestaltung,
Organisation und Finanzierung einzelner Leistungen
übernehmen im Zuge des Selbstverwaltungsprinzips die ge-setzlich ernannten Einrichtungen des Gesundheitswesens. DIE DREI INSTANZEN DES
GESUNDHEITSSYSTEMS Unser Gesundheitssystem ist dezentral organisiert, selbst-
verwaltet und wird von vielen Beteiligten getragen. Ne-
ben den Versicherten und den Versicherungen gibt es noch
weitere Akteure im deutschen Gesundheitssystem: die Lei-stungserbringer. Hierzu zählen Ärzte, Apotheker, Pflege-personal und sonstige Heilberufe. Ihre Aufgabe ist es durch ambulante oder stationäre Versorgung sowie in Form von Rehabilitationsmaßnahmen, den Patienten zu helfen und nach Möglichkeit zu heilen. Mit seinem umfangreichen Ver-sorgungsangebot gehört das deutsche Gesundheitssystem zu den teuersten aber auch besten der Welt, kaum ein ande-res Land bietet Patienten derart umfassende Leistungen.
01 Die Ausgaben für
Gesundheit betragen
rund 328 Milliarden
Euro jährlich.
02 Die Zufriedenheit der Bürger mit
ihrer medizinischen Versorgung
liegt heute bei historischen Spit-
zenwerten über 80%.
03 Die Gesundheitsausgaben ma-chen ca. 11% des deutschen
Bruttoinlandsprodukts (BIP) aus.
04 Rund 5,2 Millionen
Menschen sind in der
Gesundheitswirtschaft
beschäftigt – das ist
jeder achte Arbeitsplatz
in Deutschland.
05 Jährlich fließen 31
Milliarden Euro durch
Privatversicherte ins
Gesundheitssystem.
 O T T O V O N B I S M A R C K Otto von Bismarck (1815 – 1898) war zunächst der Ministerpräsident
des Königreichs Preußen sowie der Bundeskanzler des Norddeutschen Bundes. Von 1871 – 1890 bedeckte er das Amt des 1. Reichskanzlers des Deutschen Reiches, für dessen Gründung er mitverantwortlich war. Trotz seines berühmten Spitznamens »Eiserner Kanzler«, brachte Bismarck innenpolitisch viele soziale Neuerungen mit sich. Neben der Zivilehe zählte besonders die Erfindung des Sozialversicherungs-systems zu seinen Verdiensten. »Bismarck«-Systeme werden soziale Krankenversicherungen genannt, die aus Sozialabgaben der Versicherten und ihrer Arbeitgeber finanziert werden. Ihren Ursprung finden sie in der von Bismarck 1883 einge-führten gesetzlichen Krankenversicherung. Es gibt drei unterschied-liche Grundrichtungen: regionale, beziehungsweise zentrale Einheits-versicherung, wie beispielsweise in Frankreich, Polen und Tschechien, betriebliche beziehungsweise berufliche und regionale Pflichtver-sicherungen wie zum Beispiel in Belgien, Japan und Österreich sowie ein gegliedertes System mit freier Kassenwahl und Kassenwettbewerb, vorhanden n Deutschland, den Niederlanden und der Schweiz.
» WENN ES KEINE PARLAMENTE GÄBE, KÖNNTE JEDER KELLNER REGIEREN. « + OTTO VON BISMARCK
S O Z I A L G E S E T Z G E B U N G I M D E U T S C H E N K A I S E R R E I C H ( 1 8 7 1 – 1 9 1 8 )
1889
1884
1883 Gesetz betreffend
Krankenversicherung
der Arbeiter
1911
Unfallversicherungs-gesetz Gesetz zur Invali-
ditäts- und Alters-versicherung Versicherungsgesetz
für die Angestellten:
Reichsversicherungs-ordnung